|
Wie werden Weichen und Signale im Digital-System geschaltet?
Bei einer konventionellen Anlage werden Weichen und Signale (Oberbegriff "Magnetartikel") geschaltet, indem eines der blauen Anschlußkabel über das Stellpult 7072 kurzzeitig mit Masse verbunden wird.
Wie erfolgt dieses Umschalten nun im Digital-System? Prinzipiell sind die Abläufe ähnlich, wie für die Loksteuerung im letzten Kapitel gezeigt.
Das KEYBOARD ist das Standard-Stellpult im Digital-System. Es hat 16 Tastenpaare zum Schalten der Magnetartikel. Somit erfüllt es die gleichen Aufgaben wie vier konventionelle Stellpulte 7072, aber es tut deutlich mehr.
Als Bediener drücken Sie auf die gewünschte Taste. Umgehend schaltet der richtige Magnetartikel auf der Anlage um. Als Rückmeldung über den Schaltzustand leuchtet am KEYBOARD zwischen dem Tastenpaar eine rote Leuchtdiode auf oder erlischt.
Wie gelangen im Digital-System die Informationen vom KEYBOARD bis zum gewünschten Magnetartikel? Detaillierte Informationen zum technischen Ablauf finden Sie im Märklin-Digital Buch.
- Digital-Adresse eines Magnetartikels
Im Märklin Digital-System können bis zu 256 Magnetartikel unabhängig voneinander gesteuert werden. Dazu wird jeder Weiche und jedem Signal eine Magnetartikel-Adresse zugeordnet, ähnlich wie die Lokadresse bei den Lokomotiven. Die Auswertung der Adressen geschieht hier ebenfalls über einen Decoder. Es gibt (zum Glück) keine Unterscheidung von "Digital-Magnetartikeln" und konventionellen Magnetartikeln, sondern die herkömmlichen Weichen und Signale werden einfach über einen vorgeschalteten Decoder angeschlossen.
In diesem Kapitel wird immer von "Magnetartikeln" gesprochen. Im Digital-System können aber genauso auch Dauerströme wie Beleuchtungen oder Motoren ein- und ausgeschaltet werden. Dafür wird der Decoder k 84 eingesetzt, ansonsten gibt es für den Bediener keinen Unterschied.
Da ein KEYBOARD 16 Tastenpaare hat, aber bis zu 256 Magnetartikel unabhängig gesteuert werden können, kann man im Digital-System bis zu 16 KEYBOARDs anschließen. An jedem dieser KEYBOARDs wird über einen vierpoligen Codierschalter eine andere KEYBOARD-Adresse eingestellt.
Die Standard-Decoder k 83 bzw. k 84 haben jeweils 4 Ausgänge. Für 256 Magnetartikel benötigt man also 64 Decoder. In jedem Decoder gibt es einen (achtpoligen) Codierschalter, an dem die Decoder-Adresse eingestellt werden muß, denn beim Schalten von Magnetartikeln wird nicht direkt die Adresse eines Magnetartikels weitergeleitet, sondern die Adresse eines Decoders. In der Steuerinformation für den Decoder ist dann verschlüsselt, welchen der Ausgänge dieser ansteuern soll.
- Ablauf beim Schalten eines Magnetartikels
- Der Bediener drückt eine bestimmte Taste an einem bestimmten KEYBOARD. Der Mikroprozessor in jedem KEYBOARD rechnet aus der eingestellten KEYBOARD-Adresse und der Tastennummer die zugehörige Decoder-Adresse aus. Diese Decoder-Adresse und die Information, welcher Decoder-Ausgang eingeschaltet werden soll, wird vom KEYBOARD in eine 0-, 1-Zahlenfolge umgewandelt und an die Zentraleinheit weitergeleitet.
- Die Zentraleinheit kann immer nur eine Magnetartikel-Information zur gleichen Zeit bearbeiten. Sie wandelt die Magnetartikel-Information aus dem Stellpult ins Motorola-Format um, ordnet sie in den Wiederholungszyklus der Lokinformationen ein, verstärkt die Digital-Signale und gibt sie auf ihren Ausgang. Von hier gehen die Informationen zum Gleis und zu den über Kabel angeschlossenen Magnetartikel-Decodern.

Ablauf der Informationsübertragung beim Schalten von Magnetartikeln (schematisch).
Blaue Pfeile: analoge Ströme, rote Pfeile: Digital-Daten
- Erst danach schickt die Zentrale eine Bestätigungsmeldung an die Stellpulte zurück. Daraufhin schaltet das zuständige KEYBOARD die zugehörige Leuchtdiode ein oder aus.
Prinzipiell sind die Digital-Daten für Lokomotiven und Magnetartikel gleich aufgebaut. Damit sie sich nicht gegenseitig stören können, werden sie mit unterschiedlichen Frequenzen übertragen.
- Alle angeschlossenen Magnetartikel-Decoder vergleichen laufend die Adressen aller empfangenen Informationen mit ihrer eingestellten Adresse. Nur wenn beide übereinstimmen, werten sie den nachfolgenden Datenteil aus und schalten den zugehörigen Ausgang durch. Dabei wird das angeschlossene blaue Kabel mit Masse verbunden, und der Magnetartikel schaltet.
Da Magnetartikel nicht mit Dauerstrom betrieben werden dürfen, sondern nur einen kurzen Umschaltimpuls brauchen, schickt das KEYBOARD einen Abschaltbefehl an die Zentrale, sobald der Bediener die gedrückte Taste wieder losläßt. Dieser Abschaltbefehl wird auf die gleiche Weise behandelt wie der Schaltbefehl.
Erst nach dem Abschaltbefehl kann die Zentrale den nächsten Befehl für einen Magnetartikel annehmen, damit das Digital-System immer nur mit dem Schaltstrom für einen einzigen Magnetartikel belastet wird.
Neben dem Standard-Magnetartikeldecoder k 83 mit vier Ausgängen gibt es seit einiger Zeit auch einen Einbaudecoder k 73. Die Platine ist zum direkten Einbau in Weichen der M-Gleise vorgesehen; der Decoder hat daher nur einen Ausgang. Mit etwas Geschick kann er aber auch für Signale oder andere Magnetartikel verwendet werden. Seine Digital-Informationen erhält der Einbaudecoder direkt über das Gleis. Es sind dann also keine Kabelanschlüsse mehr für einen solchen Magnetartikel erforderlich.
Zusammenfassung:
Die wichtigsten Aufgaben der Geräte beim Schalten von Magnetartikeln:
Digital-Stellpult:
Gedrückte Taste erfassen, in eine serielle Digital-Information umwandeln und an die Zentrale weiterleiten; Anzeigen ansteuern.
Zentraleinheit:
Sortieren, Umwandeln der Stellpult-Informationen ins Motorola-Format, Einfügen in den Wiederholungszyklus der Lokdaten; mit der Versorgungsspannung verknüpfen und ans Gleis weiterleiten. Außerdem Schutz vor Überlastung und Kurzschluß.
Magnetartikel-Decoder:
Empfangene und eingestellte Adresse vergleichen; wenn gleich, Decoder-Ausgang und Schaltrichtung auswerten; Gleichrichten des Digital-Signals, Schalttransistor (k 73, k 83) oder Relais (k 84) ansteuern.
|