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Züge unabhängig voneinander steuern
Solange auf einer Modellbahnanlage nur eine einzige Lokomotive fährt, ist es für die meisten Modellbahner egal, auf welche Art diese eine Lok gesteuert wird: auf herkömmliche, "konventionelle" Weise mit einem Fahrtransformator oder "digital" über ein Digital-Fahrpult.
Sobald aber eine zweite Lokomotive hinzukommt, wird schnell der Wunsch wach, Lokomotiven unabhängig voneinander steuern zu können. Denn für einen realitätsnahen Betrieb einer Modellbahnanlage ist eine wesentliche Voraussetzung, daß die Lokomotiven unabhängig voneinander gesteuert werden können. Dies sollte aber mit möglichst geringem Aufwand realisierbar sein.
Dies waren Grundvoraussetzungen für die Entwicklung des Märklin Digital-Systems.
Konventionelle Anlage
Bei einer konventionellen Modellbahnanlage gilt das Grundprinzip: Alle Loks im gleichen Stromkreis können nur gemeinsam in Geschwindigkeit und Fahrtrichtung gesteuert werden. Dabei fahren zwar verschiedene Loktypen bei gleicher Einstellung des Trafo-Fahrreglers unterschiedlich schnell (abhängig von Motortyp und Getriebe der Lok sowie dem Zuggewicht). Aber wenn der Fahrregler höher gedreht wird, fahren alle Loks schneller, und beim Umschalten der Fahrtrichtung werden alle Loks umgeschaltet (falls die Spannungsversorgung dafür ausreicht). In einem Stromkreis kann also nur ein sehr einfacher Mehrzugbetrieb gefahren werden, meist auf zwei unabhängigen Ringstrecken. Ein Rangierbetrieb ist so kaum realisierbar.
Auch auf einer konventionellen Anlage können Lokomotiven unabhängig voneinander gesteuert werden. Aber dazu war und ist erheblicher Aufwand nötig. Elektroniker und Tüftler ließen sich immer neue Schaltungen einfallen, um die Problematik der Mehrzugsteuerung in den Griff zu bekommen.
Mit abschaltbaren Gleisabschnitten - Beispiel Rangierbahnhof
Bei einer konventionellen Anlage muß sich jede Lok, die unabhängig von anderen gesteuert werden soll, in einem eigenen Stromkreis befinden.
Um einen Rangierbahnhof mit vertretbarem Aufwand zu realisieren, macht man häufig die Stromversorgung für einzelne Gleisabschnitte abschaltbar. Mehrere Rangiergleise sind dabei mit je einem Anschlußgleis parallel an einen Fahrtransformator angeschlossen; die Stromversorgung kann aber für jedes Gleis einzeln mit Schaltpulten 7210 oder 7211 zu- und abgeschaltet werden.
Die Nachteile einer solchen Lösung sind offenkundig: Der Bediener muß einen sehr guten Überblick über die Aufteilung der Stromkreise haben, um die Anlage wunschgemäß bedienen zu können. Gäste können also ohne Einarbeitung kaum mitspielen. Sollen mehrere Loks gleichzeitig fahren, müssen mehrere Fahrtrafos eingesetzt werden.
Mit Oberleitung - Beispiel Doppeltraktion
Eine weitere Möglichkeit für Mehrzugbetrieb auf einer konventionellen Anlage bietet die Oberleitung. Damit kann zumindest ein zweiter, völlig unabhängiger Stromkreis aufgebaut werden, der allerdings nur für Elektroloks verfügbar ist. Die Oberleitung muß von einem eigenen Fahrtrafo versorgt werden. Auch die Oberleitung kann prinzipiell in mehrere, elektrisch getrennte Abschnitte unterteilt werden.
Bei der Doppeltraktion ziehen zwei Loks gemeinsam einen schweren Zug. Das sieht auf einer größeren Modellbahnanlage genauso beeindruckend aus wie beim echten Vorbild. Die Doppeltraktion kann aber auf einer konventionellen Anlage eigentlich nur auf zwei Arten realisiert werden: entweder mit zwei exakt baugleichen Lokomotiven (gleiche Motoren, gleiche Getriebeübersetzungen), die beide im gleichen Stromkreis fahren. Oder eine Lok wird über den Mittelleiter betrieben, die andere über die Oberleitung; diese Lok muß dann natürlich eine E-Lok sein.
DELTA-Anlage
Das Märklin DELTA-System wurde 1992 auf den Markt gebracht und hat seitdem großen Erfolg, denn DELTA ermöglicht einen flexiblen Mehrzugbetrieb mit geringem Aufwand.
Mit DELTA können bis zu vier Lokomotiven unabhängig voneinander gesteuert werden. Im Unterschied zu einer konventionellen Anlage befinden sich dabei alle Lokomotiven im gleichen Stromkreis. Allein diese Tatsache macht das DELTA-System enorm bedienungsfreundlich. Auch der Aufbau und die Verdrahtung einer Anlage werden wesentlich erleichtert.
Eine Lok wird durch einen kleinen Elektronik-Baustein in ihrem Innern zu einer DELTA-Lok. DELTA-Lokomotiven können aber nicht nur auf einer DELTA-Anlage eingesetzt werden. Sie fahren genauso problemlos auf einer herkömmlichen, konventionell gesteuerten Anlage und ebenfalls auf einer Digital-Anlage. Daher werden diese Loks auch Universal-Lokomotiven genannt.
Die elektrische Leistung des DELTA-Systems ist vor allem für kleinere bis mittlere Modellbahnanlagen ausgelegt. Wenn Ihre Ansprüche und Ihre Modellbahn im Laufe der Zeit wachsen, können Sie bei einem Umstieg auf das "große" Digital-System nahezu alle DELTA-Komponenten innerhalb des Digital-Systems weiter verwenden.
Wie schon gesagt, bei DELTA fahren alle Loks im gleichen Stromkreis. Das hat eine weitere Konsequenz: es ist auch nur ein Trafo erforderlich und möglich. Dennoch können mehrere Lokomotiven unabhängig voneinander gesteuert werden! Ein Widerspruch? Nein, sondern das Funktionsprinzip von Märklin DELTA.
Es gibt zur Zeit zwei Gruppen von DELTA-Geräten, die sich im Aussehen und in ihrer Bedienungsphilosophie unterscheiden:
Das blaue Steuergerät "DELTA-Control" wird an einen konventionellen Fahrtransformator angeschlossen (Ausgangsleistung bis 30 VA). Die gewünschte Lokomotive wird mit einem Schalter am DELTA-Control ausgewählt, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung der ausgewählten Lokomotive werden dann am Fahrtransformator eingestellt. Zusätzlich kann eine weitere Lokomotive unabhängig über einen Handregler "DELTA-Pilot" gesteuert werden.
Die neue, weiß/schwarze "DELTA-Station" kann wahlweise durch einen konventionellen oder einen Digital-Transformator (Ausgangsleistung bis 52 VA) versorgt werden. Sie braucht mindestens ein Handsteuergerät "DELTA-Mobil", an dem nicht nur die gewünschte DELTA-Lok ausgewählt wird, sondern auch gleich deren Fahrgeschwindigkeit und Fahrtrichtung eingestellt werden. An die DELTA-Station können bis zu vier DELTA-Mobil angeschlossen werden, daher eignet sich dieses System ideal für das gemeinsame Spielen mehrerer Personen.
Als besonderer Leckerbissen sind die neuen Geräte DELTA-Station und DELTA-Mobil auch für den Betrieb mit der großen Märklin Spurweite, Märklin 1, geeignet. Die neuen "Maxi"-Loks sind bereits ab Werk für den Mehrzugbetrieb mit DELTA ausgelegt.
Die vielen Vorteile einer DELTA-Anlage führen zuletzt zu einer einzigen Grundüberlegung:
Wenn es von einem bestimmten Lokmodell oder einer Startpackung eine DELTA-Ausführung gibt, ist es kaum noch sinnvoll, die konventionelle Ausführung zu kaufen. Dies gilt auch dann, wenn Sie bereits eine konventionelle Anlage besitzen. Denn DELTA ist nach beiden Seiten hin offen: es ist einerseits Ergänzung und Erweiterung einer konventionellen Anlage, andererseits ist es eine ideale Ausgangsbasis für einen späteren Übergang zum Digital-System.
Digital-Anlage ("Digital Fahren")
Auf einer Digital-Anlage ist Mehrzugbetrieb fast ohne Grenzen möglich. Bis zu 80 Lokomotiven können unabhängig voneinander auf der Anlage fahren. Um die dafür erforderliche elektrische Leistung aufzubringen, müssen natürlich mehrere Transformatoren eingesetzt werden. Aber die Aufteilung der Anlage in elektrische Stromkreise spielt für den Zugbetrieb (fast) keine Rolle mehr.
Das Grundprinzip von Märklin Digital entspricht dem von DELTA. Jeder Lok ist eine Nummer zugeordnet, die sogenannte Lokadresse. Die Nummer der gewünschten Lok wird einfach auf einem Digital-Fahrpult eingetippt, und schon steuern Sie genau diese Lok, völlig unabhängig davon, wo auf der Anlage sie sich gerade befindet. (Hier haben wir vorausgesetzt, daß diese Lok nicht bereits auf einem anderen Fahrpult "aufgerufen" war.)
An einer Digital-Anlage können Sie bis zu 10 Digital-Fahrpulte verwenden, d. h. Sie können maximal 10 Lokomotiven gleichzeitig im Zugriff haben. Alle weiteren Lokomotiven fahren als "Streckenloks" mit der zuletzt eingestellten Geschwindigkeit weiter. Alle Loks können dabei natürlich von Signal-Haltestrecken beeinflußt werden. Wenn die Geschwindigkeit oder die Fahrtrichtung einer "Streckenlok" geändert werden soll, kann sie jederzeit auf einem beliebigen Fahrpult aufgerufen werden. Währenddessen fährt die auf diesem Fahrpult zuletzt aufgerufene Lok automatisch mit ihrer vorherigen Geschwindigkeit weiter.
Mit mehreren Digital-Fahrpulten sind auch bisher komplizierte Betriebsaufgaben wie Rangierbetrieb oder Doppeltraktion kein Problem mehr, denn für den Bediener befinden sich alle Lokomotiven scheinbar im gleichen Stromkreis.
Das "Digital Fahren" bietet aber noch weitere Vorteile:
Fast jede Digital-Lok hat eine ferngesteuert einschaltbare "Zusatzfunktion". Das kann die Beleuchtung der Lok sein, eine fernsteuerbare TELEX-Kupplung oder der Rauchgenerator einer Dampflok. Diese Zusatzfunktion kann mit zwei Tasten am Digital-Fahrpult beliebig ein- und ausgeschaltet werden. Bei Digital-Lokomotiven ist diese Zusatzfunktion völlig unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit. Daher kann die Beleuchtung einer Digital-Lok auch im Stand leuchten.
Die neueren Fahrpulte haben noch vier weitere Tasten bzw. Tastenpaare, mit denen weitere Sonderfunktionen ein- oder ausgeschaltet werden können. Diese Sonderfunktionen werden zur Zeit hauptsächlich eingesetzt bei "Funktionsmodellen" oder bei Lokomotiven der Spur 1. Bei diesen Loks können bis zu fünf verschiedene Funktionen vom Fahrpult aus ferngesteuert werden, z. B. Licht vorn und hinten, Lokpfeife, Rauchgenerator usw.
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